Die Landung der Westalliierten in der Normandie im Juni 1944 läutete das Ende des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa ein. Den deutschen Truppen gelang es in den folgenden Monaten nicht mehr, die vorrückenden Briten, US-Amerikaner, Kanadier und Franzosen entscheidend aufzuhalten. Im September 1944 überschritten die alliierten Truppen südlich von Aachen erstmals die deutsche Grenze.
Ab Herbst 1944 rückten die Truppen der Westalliierten auf deutschem Boden in Richtung Rhein vor, begleitet durch schwere Bombardements aus der Luft, um den erbitterten Widerstand der deutschen Wehrmacht zu brechen. Insbesondere Düren und Jülich wurden dabei nahezu völlig zerstört, aber auch zahlreiche weitere Ortschaften litten unter den schweren Kampfhandlungen. Nachdem den Alliierten im Februar 1945 schließlich der Rurübergang gelang, war der größte deutsche Widerstand gebrochen. Anfang März standen amerikanische Soldaten am Rhein.
Zwischen September 1944 und März 1945 war die Region zwischen Rhein-Erft und Rur Schauplatz intensiver militärischer Auseinandersetzungen zwischen den alliierten Truppen und der deutschen Wehrmacht. Der Vormarsch der Westalliierten und der Rückzug der deutschen Truppen hinterließen eine tief zerstörte Landschaft und eine schwer getroffene Zivilbevölkerung.
Am 16. November 1944 begann mit der „Operation Queen“ eine massive alliierte Offensive. Über 1.200 britische Bomber griffen die Städte Düren, Jülich und Heinsberg an – die Städte Düren und Jülich galten danach als die am stärksten zerstörten Städte in Europa. Parallel dazu rückten amerikanische Panzerverbände vor. Im Hürtgenwald, südlich von Düren, kam es ab November zu schweren Kämpfen mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Die deutsche Niederlage in der Ardennenoffensive (Dezember 1944–Januar 1945) markierte schließlich das Ende größerer deutscher Gegenoffensiven westlich des Rheins und ebnete den Weg für den weiteren Vormarsch der Alliierten. Sie forderten die deutsche Zivilbevölkerung und die Bürgermeister zur Kooperation auf.
Flugblatt „An den Bürgermeister“
(Sammlung Hansi Techel)
Flugblatt „An den Bürgermeister“
(Sammlung Hansi Techel)
Ein zentrales strategisches Ziel der Alliierten war die Sicherung der Rurtalsperre. Deutsche Truppen beschädigten beim Rückzug gezielt die Rohre der Staumauer, was zu einer kontrollierten Flutung der Rur führte. Der Fluss wurde zeitweise bis zu 300 Meter breit und unpassierbar – ein kurzfristiger Zeitgewinn für die deutsche Verteidigung. Wäre die Staumauer hingegen durch die deutsche Wehrmacht vollständig gesprengt worden, hätte dies das Vorrücken der Truppen erheblich verzögert.
Flugblatt „Schussfeld freimachen!“
(Sammlung Hansi Techel)
Flugblatt „Schussfeld freimachen!
(Sammlung Hansi Techel)
Am 23. Februar 1945 überschritten amerikanische Einheiten im Rahmen der „Operation Grenade“ trotz anhaltender Überschwemmung an zehn Stellen zwischen Linnich und Düren die Rur. In den folgenden Tagen kam es zu einem schnellen Vorstoß Richtung Erft. Der Vormarsch verlief in Etappen und war begleitet von erbitterten Gefechten, insbesondere in den Braunkohletagebauen. Am 23. Februar wurden erste Orte wie Niederzier und Teile von Jülich und Düren erreicht. Die Zitadelle Jülich konnte erst am 24. Februar eingenommen werden. Den alliierten Truppen gelangen immer schnellere Geländegewinne, auch weil der deutsche Widerstand stetig nachließ. Der Übergang über die Erft erfolgte deutlich einfacher.
Amerikanische Pontonbrücke am Rurübergang an der Dr.-Overhues-Allee in Düren am 26. Februar 1945 (Stadt- und Kreisarchiv Düren)
Amerikanische Pontonbrücke am Rurübergang an der Dr.-Overhues-Allee in Düren am 26. Februar 1945 (Stadt- und Kreisarchiv Düren)
Am 8. März erreichten amerikanische Truppen Wesseling – die Vorbereitungen für den Rheinübergang und den Angriff auf Köln waren abgeschlossen. Frechen diente dabei als Nachschubzentrum für die US-Armee. Der Vorstoß war begleitet von erbitterten Gefechten, insbesondere in den Braunkohletagebauen.
Waffenfund im Bethlehemer Wald in Bergheim (Stadtarchiv Bergheim)
Waffenfund im Bethlehemer Wald in Bergheim (Stadtarchiv Bergheim)
Archivmaterial zum Thema „Operation Grenade”
Lokalbezüge: Brühl
Am „Tag der unschuldigen Kinder“ – schwerer Bombenangriff auf Brühl am 28. Dezember 1944
Lokalbezüge: Jülich
Die Überquerung der Rur: Beginn der „Operation Grenade“ am 23. Februar 1945
Lokalbezüge: Elsdorf-Oberembt
„The Monster“ – Das Ende eines Tigerpanzers in Oberembt
Lokalbezüge: Brühl
März 1945 – der letzte Bombenangriff und das Ende der NS- Schreckensherrschaft in Brühl
Lokalbezüge: Erftstadt
Das Jahr 1945 in Erftstadt
Zerstörte Häuser, fehlende Versorgung, Lebensmittelmangel: Das Leben der Zivilbevölkerung war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hart und extrem entbehrungsreich. Britische Militärregierung und lokale Behörden versuchten die Lage zu verbessern, doch die Bevölkerung wusste sich auch selbst zu helfen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das tägliche Leben der Menschen geprägt von Versorgungsengpässen und Mangel. Grundlegende Güter wie Lebensmittel, Kleidung, Brennstoffe und auch Baumaterial für den Wiederaufbau waren knapp und wurden – wie schon zu Zeiten des Krieges – rationiert. Das bedeutete, dass bestimmte Waren nur gegen entsprechende Bezugsscheine ausgegeben wurden. Die britische Militärregierung, die nach offiziellem Kriegsende die Regierungsgewalt im nördlichen Rheinland übernahm, versuchte beispielsweise, mit der im April 1946 in Kraft getretenen Bekanntmachung „Kontrolle und Verteilung von Verbrauchsgütern“ eine „gerechte Verteilung von Verbrauchsgütern zu gewährleisten“.
Bäcker- und Metzgerladen auf dem Kirchplatz vor der zerstörten Propsteikirche in Jülich, 1948 (Stadtarchiv Jülich, Foto: Kurt Hoppe)
Darin aufgeführt waren stark nachgefragte Waren wie Kleidungsstücke, Möbel oder Fahrräder, an denen es überall mangelte. Fabriken und Händler mussten vorhandene Warenbestände melden, Wirtschaftsämter gaben anschließend Bezugsmarken an die Gemeinden aus. Wer falsche Bestandsmeldungen machte, musste mit der Anordnung von Strafzahlungen rechnen.
Bezugsscheine für Haushaltsgegenstände
(Stadtarchiv Jülich)
Bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie politisch oder religiös Verfolgte, wurden bei der Bezugsmarkenzuteilung der Militärregierung bevorzugt behandelt. Auch wer nachweisen konnte besonders bedürftig zu sein, erhielt unter Umständen weitere Bezugsmarken. Es gab jedoch nicht genügend Waren für alle und so nahmen auch Tauschgeschäfte und das Handeln von Waren auf dem Schwarzmarkt („schieben“) – obwohl strengstens verboten – zu. Viele Menschen unternahmen so genannte „Hamsterfahrten“: Sie fuhren aufs Land und hofften, bei Landwirten Lebensmittel erwerben oder gegen Wertgegenstände tauschen zu können. Vielfach blieb den Menschen nicht anderes übrig, denn zunächst galt es, das eigene Überleben zu sichern. Mit ungleich verteilten Versorgungsgütern rückten Solidarität und Hilfsbereitschaft oft in den Hintergrund, Neid und Missgunst kamen auf.
»1 Zentner [Briketts] ist schon für eine Woche arg wenig, wie erst für 7 Wochen. Ich fürchte H. G[…] schiebt zu sehr mit genannter Ware gegen Baumaterial. […] Was soll das für den Winter werden. Wir können uns kein Holz mehr holen vom Walde, das halten unsere Schuhe nicht aus.«
Schreiben einer Frau aus Kerpen-Blatzheim im August 1946 an das Amt Kerpen (Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen 4787 025a)
Schwierige Ernährungslage
Mithilfe von Suppen- und Volksküchen versuchten die Gemeinden, den Hunger der Bevölkerung zu stillen – mit allem, was zur Verfügung stand und sich zu einer Mahlzeit verarbeiten ließ. Für Schulkinder führte die britische Militärregierung eine Schulspeisung ein: Sie erhielten beispielsweise nahrhafte Suppen und manchmal sogar eine Tafel Schokolade wöchentlich. Die Lehrkräfte wurden dazu angehalten, darauf zu achten, dass die Kinder die Schulspeisung auch tatsächlich zu sich nahmen, denn viele waren aufgrund der entbehrungsreichen Jahre nicht ausreichend ernährt worden. Im Kreis Jülich waren im Jahr 1946 knapp 42% der untersuchten Schulkinder unterernährt.
Für viele Kinder war die Schulspeisung die einzige warme Mahlzeit des Tages. In Jülich mangelte es im Februar 1946 an Kesseln zur Herstellung der „Kinderspeisung“ (Stadtarchiv Jülich IV 137)
Für viele Kinder war die Schulspeisung die einzige warme Mahlzeit des Tages. In Jülich mangelte es im Februar 1946 an Kesseln zur Herstellung der „Kinderspeisung“ (Stadtarchiv Jülich IV 137)
Überall fehlte es nicht nur an Lebensmitteln und Kleidung, auch Wohnraum war knapp. Einige Städte, darunter beispielsweise Jülich, waren völlig zerstört. Verfügbarer Wohnraum wurde möglichst von mehreren Familien genutzt. So bestimmte eine im August 1945 durch die Militärregierung erlassene „Polizeiverordnung zur Erfassung von unterbelegten Wohnungen und zur Neuordnung der Wohnraumverhältnisse“, wann eine Wohnung als „unterbelegt“ galt. Inhaber dieser Wohnungen mussten diese an weitere Wohnungssuchende vermieten. Taten sie es nicht, durften Wohnungssuchende durch die Gemeindeverwaltungen dort eingewiesen werden.
Im Jülicher Kreisanzeiger wird am 20. März 1946 bekanntgegeben, wie viel Wohnraum pro Person zulässig ist. „Unterbelegter“ Wohnraum musste gemeldet werden (Stadtarchiv Jülich)
Wohlfahrtsverbände und -gesellschaften versuchten ebenfalls, der Wohnungsnot Herr zu werden. Um Flüchtlinge und Ausgebombte zu unterstützen, setzte sich zum Beispiel im Landkreis Köln eine gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für ein Wohnungsbauprogramm ein und rief zu Spenden auf. Rationiertes Baumaterial, das oft auch aus abgebrochenen Gebäuden gewonnen wurde, wurde bevorzugt für den Wiederauf- und Wohnungsbau eingesetzt. Die beiden folgenden Zitate zeigen, dass dabei von den Verwaltungen oft abgewogen werden musste, wo Material nun dringender gebraucht wurde:
»Es geht auf keinen Fall, dass Kirchen repariert werden, bevor nicht für die notdürftigste Unterkunft der Bevölkerung, besonders im Westgebiet des Kreises, gesorgt ist.«
Niederschrift der Kreisbauausschusssitzung vom 14. Juli 1947 (Stadt- und Kreisarchiv Düren)
»Ob für die Neueinrichtung eines Gymnasiums überhaupt ein Bedürfnis vorliegt, ist uns unbekannt. Bekannt ist uns aber, daß die erforderlichen Baumaterialien und Geldmittel weit dringender für die Errichtung von Wohnstätten in Brauweiler benötigt würden.«
Niederschrift zur Kreistagssitzung vom 18. Juli 1946 in Frechen (Archiv des Landschaftsverbands Rheinland)[SR4]
Links: Zwei Arbeiter vor einer Notwohnung, 1948 (Stadtarchiv Jülich, Foto: Kurt Hoppe)
Rechts: Notunterkunft in einer Nissenhütte (Foto: Hermann Claasen, aus: Verbrannte Erde, Köln 1949, o.S.)
So genannte „Nissenhütten“ prägten für einige Zeit das Ortsbild vieler Städte. Dabei handelte es sich um primitiv eingerichtete Wellblechbaracken, die als provisorische Unterkünfte dienten. Beengt lebten hier viele Menschen auf kleinem Raum.
Links: Zwei Arbeiter vor einer Notwohnung, 1948 (Stadtarchiv Jülich, Foto: Kurt Hoppe)
Rechts: Notunterkunft in einer Nissenhütte
(Foto: Hermann Claasen, aus: Verbrannte Erde, Köln 1949, o.S.)
Das Holz aus den nahegelegenen Wäldern wurde nicht nur als Baumaterial benötigt, sondern auch zum Heizen verwendet. Schulkinder wurden zum Holzsammeln eingeteilt, damit die Schulräume beheizt und ein Unterricht in den Schulen möglich gemacht werden konnte. Teilweise musste der Unterricht ausfallen, weil das Heizmaterial ausgegangen war. Sogar noch 1951 hieß es im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Köln vom 16. April:
»Bei dieser Sachlage ist es bedauerlich, daß [!] zwar die Schulen nicht ausreichend mit Brennstoffen versorgt werden können, die Kinos und sonstigen Vergnügungsstätten aber weiter in Betrieb sind.«
Amtsblatt für den Regierungsbezirk Köln vom 16. April 1951
Bei allen Entbehrungen gab es überall auch Zeichen des Zusammenhalts. So sorgte in Sinnersdorf eine Lehrerin am Nikolaustag 1945 dafür, dass die Schulkinder einen Weckmann sowie jeweils einen bunten Federhalter mit Feder und einen Brief vom Nikolaus erhalten konnten.
In Kerpen bat der St.-Elisabethen-Verein das Kreis-Wirtschaftsamt in Bergheim im November 1946 um Bezugsscheine für Nähgarn und Stoff – genäht werden sollten daraus Weihnachtsgeschenke für Kinder von Gefallenen und die in der Gemeinde wohnenden Flüchtlinge.
Nach dem Einmarsch der Alliierten im Jahr 1945 setzten die Besatzungsmächte sofort neue Bürgermeister ein. Damit sollte der völlige Zusammenbruch der Verwaltung verhindert werden. Die britische Besatzung förderte eine schrittweise Demokratisierung „von unten nach oben“. Dabei sollten demokratische Strukturen organisch wachsen. Parallel dazu erholte sich das gesellschaftliche und kulturelle Leben schnell, was zur gesellschaftlichen Stabilisierung beitrug.
»Es liegt uns jetzt daran, […] einen neuen Begriff von Demokratie zu bilden […], [der] den Forderungen irgend eines authoritären Regimes widersteht, falls ein solches in der Zukunft noch einmal erscheinen will.«
Aus der Ansprache des britischen Oberst Richardson anlässlich der ersten Sitzung des Stadtrates von Jülich, 14. März 1946 (StA Jülich, Bestand 12-1, Nr. 6, S. 455)
Nach der Eroberung der Region durch amerikanische Truppen zwischen dem 23. Februar und dem 8. März 1945 wurden in den Landkreisen Bergheim und Köln von der amerikanischen Militärbehörde Ortsbürgermeister ernannt – oft nur wenige Stunden nach dem Einmarsch der alliierten Truppen. Vorwiegend wurden Verwaltungsfachleute ausgewählt – möglichst ehemalige Bürgermeister oder Beamte der Weimarer Republik –, sofern sie als politisch integer galten. Angesichts der Vielzahl anstehender Probleme wurde dabei sehr pragmatisch vorgegangen und politische Präferenzen traten weitgehend in den Hintergrund. Häufig wurden auch katholische Geistliche zum Bürgermeister ernannt, da sie als unbelastet und in der Bevölkerung angesehen galten.
Erstkommunion in der kriegszerstörten Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, ca. 1946 (Stadtarchiv Jülich, Nachlass Heinz Breuer)
Erstkommunion in der kriegszerstörten Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, ca. 1946 (Stadtarchiv Jülich, Nachlass Heinz Breuer)
In den Landkreisen Düren und Jülich verlief die Entwicklung etwas verzögert. Infolge der massiven Bombardierung am 16. November 1944 waren Düren, Jülich und auch Linnich zu großen Teilen zerstört. Bis zum Übergang der Alliierten über die Rur waren die Städte demnach als Frontgebiet evakuiert. Die Verwaltungen wurden in Gebiete östlich des Rheins verlegt. Viele dieser Städte waren bei der Eroberung durch die Alliierten menschenleer. Die öffentlichen Strukturen waren völlig zusammengebrochen. Die neu ernannten Bürgermeister hatten keinerlei Verwaltungserfahrung, es fehlte ihnen an Verwaltungspersonal und jeglicher Form von Infrastruktur.
Das kriegszerstörte Rathaus in Jülich im Winter 1945/1946 (Foto: Peter Kreutz, StA Jülich, 016, Nr. 175)
In vielen Orten waren die Rathäuser zerstört, in den Gebieten westlich der Rur mangelte es auch an allem anderen: Tische, Stühle, Papier, Schreibmaschinen. Doch die Bevölkerungszahlen stiegen wieder rasant an: in Jülich von null Personen am 1. Januar 1945 auf 100 am 30. April 1945 und 842 am 31. Mai 1945. In Düren stiegen die Zahlen noch schneller: von fünf Personen am 1. März 1945 auf 300 am 20. April 1945 und 5.500 am 1. Juni 1945. Vordringlichste Aufgabe aller Verwaltungen war die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wohnraum sowie die Prävention von Epidemien.
Die britische Besatzung praktizierte in dieser Zeit das Prinzip der „indirect rule“, d.h. die örtliche Verwaltung wurde soweit wie möglich in ihren Strukturen unverändert gelassen, aber der Befehlsgewalt des örtlichen Militärkommandos unterstellt. Die demokratischen Prozesse sollten in drei Phasen ablaufen, an deren Ende gewählte Gremien standen.
Schreiben der Militärregierung an den Landrat Landkreis Köln und alle Bürgermeister zur Bildung einer Demokratischen Regierung im Landkreis Köln vom 18. Oktober 1945 (Kreisarchiv Rhein-Erftkreis, Akte 102-1543, Bl. 14f. 2 Seiten)
Als Vorbild für die Demokratisierung der Gesellschaft diente die britische Demokratie, die Entwicklung wurde dabei schrittweise von unten nach oben vorgenommen.
»Das erste ist, bei der untersten Stufe der Bevölkerung anzufangen, – d.h. die Demokratie muss organisch wachsen und die natürliche Entwicklung muss von unten nach oben hinaufwachsen. Und ein zweites Ziel ist, dass die Entwickelung allmählich vor sich gehen muss.«
Aus der Ansprache des britischen Kommandanten von Jülich Oberst Richardson anlässlich der ersten Sitzung des Stadtrates von Jülich, 14. März 1946 (StA Jülich, Bestand 12-1, Nr. 6, S. 456)
Zulassung demokratischer Parteien
Schon im August 1945 wurden im besetzten Deutschland politisch-demokratische Parteien wieder zugelassen. Es gründete sich neben den alten Parteien SPD, KPD und dem Zentrum mit der CDU eine neue überkonfessionelle christliche Partei und der FDP als liberale Partei. Im September 1945 wurden die Vertreter der Parteien aufgefordert, Vorschläge für die Bildung von Ratsausschüssen zu machen. Ausgehend von diesen Listen wurden im Januar 1946 neue Stadträte gebildet. Die erste Kommunalwahl fand am 15. September 1946 statt. Die ersten Schritte in die Demokratie waren damit getan.
Wahlwerbung der CDU, ohne Datierung (um 1950; Stadtarchiv Frechen, Plakatsammlung)
Wahlwerbung der CDU, ohne Datierung (um 1950; Stadtarchiv Frechen, Plakatsammlung)
Bekanntmachung der Militärregierung über die Veröffentlichung der Wählerlisten zu den ersten Wahlen 1946 (Stadtarchiv Wesseling, B 1216)
Das kulturelle Leben begann vielerorts schon sehr bald nach Kriegsende wieder – die Menschen sehnten sich nach Theater, Musik und Kino. Bei den Angeboten wurde auf altbewährtes aber politisch unbelastetes Repertoire zurückgegriffen. Daneben stillten die Kirchen den Hunger nach Tradition und Zusammengehörigkeitsgefühl. Die ersten Martins- und Fronleichnamsumzüge fanden schon 1945/1946 wieder statt.
Einen geeigneten Konzertsaal gab es noch nicht. Trotzdem wurde in Jülich in einem improvisierten Raum schon am 28. Dezember 1945 ein erstes Konzert aufgeführt (StA Jülich, IV 149)
Lokalbezüge: Pulheim-Brauweiler
Zurück zur „Normalität“ – Die Zukunft der Arbeitsanstalt Brauweiler nach 1945
Lokalbezüge: Jülich
Kultur zwischen Trümmern – Der Beginn des kulturellen Lebens in Jülich
Lokalbezüge: Rhein-Erft-Kreis (Frechen/Bergheim)
Schutz der Ernte nach dem Zweiten Weltkrieg
Lokalbezüge: Jülich
Schule in Trümmern – Der Wiederbeginn des Unterrichts im zerstörten Jülich
Direkt nach dem Krieg begann in den zerstörten Städten entlang von Rhein, Erft und Rur der Wiederaufbau, der für die meisten Städte die Wiederherstellung in ihrer alten Form bedeutete. Die Bereitstellung von Wohnraum, Infrastruktur und Lebensmitteln war eine zentrale Aufgabe, die durch die britische Militärregierung und das neue Wiederaufbauministerium unterstützt wurde. Aufgrund hoher Flüchtlingszahlen und zerstörter Infrastruktur waren die Herausforderungen groß, und Baumaterialien sowie Transportwege fehlten häufig. Der Marshallplan beschleunigte ab 1947 den Wiederaufbau, sodass bis 1950 wichtige Projekte wie die Wiederherstellung von Schulen, Wohnungen und Straßen abgeschlossen werden konnten.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 wird in der Deutschen Geschichte oft als „Stunde Null“ bezeichnet. Sie steht symbolisch für das Ende des Dritten Reichs, aber auch für den Neuanfang in den zerstörten Städten. Hier entstand der Mythos der „Trümmerfrauen“, die den Schutt, den der Krieg hinterlassen hatte, aufräumten.
Entschuttungs- und Aufräumarbeiten in Jülich (Stadtarchiv Jülich)
Entschuttungs- und Aufräumarbeiten in Jülich (Stadtarchiv Jülich)
Auch an Rhein, Erft und Rur begann der Wiederaufbau schon bald nach dem Ende des Krieges. Dabei trafen durchaus unterschiedliche Vorstellung davon aufeinander, ob die zerstörten Orte in alter Form wiederaufgebaut werden sollten, oder man die Gelegenheit nutzen sollte, den zukünftigen Lebensraum modernen Bedürfnissen anzupassen.
Straßenarbeiten in der Großen Rurstraße vor dem Hexenturm in Jülich, 1945 (Stadtarchiv Jülich, Foto: Eduard Schiffer)
Straßenarbeiten in der Großen Rurstraße vor dem Hexenturm in Jülich, 1945 (Stadtarchiv Jülich, Foto: Eduard Schiffer)
»Über diesen in Angriff genommenen Wiederaufbauplan von Jülich ist allgemein zu sagen, dass man sich – wie es ja auch logisch ist und sich in ähnlichen Formen schon bei den Grundüberlegungen für den Wiederaufbau anderer alter Kulturstädte des Rheinlandes automatisch ergeben hat – auch hier klar darüber wurde und entschliessen musste, Jülich im Grunde genommen in ähnlicher Form an alter Stelle wiedererstehen zu lassen, wie es früher bestanden hat.
Die Überlegung, die angesichts der furchtbaren Zertrümmerung vorübergehend nahe lag, Jülich ganz modern an anderer Stelle neu erstehen zu lassen, um ganz freie Hand für eine moderne Schöpfung zu haben, erscheint schon deswegen für widersinnig …«
(Stadtarchiv Jülich, Bestand IV, Nr. 518)
Die Bereitstellung von Wohnraum war neben der Wiederherstellung elementarer Infrastruktur und der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln eine der wichtigsten Aufgaben der neu eingesetzten Verwaltungen. Zuständig für den Wiederaufbau und die damit verbundene Zuteilung von Rohstoffen waren die Militärregierung und später auch das Wiederaufbauministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.
Aufgrund der hohen Zahlen Geflüchteter galt es beim Wohnraum nicht nur den Vorkriegszustand wiederherzustellen, sondern den Baubestand gleichzeitig zu erweitern. Die Bedburger Stadtvertretung protokolliert am 1. Dezember 1950 hierzu folgendes:
»Der nun nach dem Waffenstillstand einsetzende Flüchtlingsstrom brachte die Stadt Bedburg in größte Schwierigkeiten und stellte sie vor besonders schwerwiegende Aufgaben. Mietwohnungen gab es […] kaum, so daß [!] die Flüchtlinge auch hier in Wohnungen untergebracht werden mussten, die nach ihrer Bauart und ihrer derzeitigen Benutzung für die Aufnahme weiterer Familien in keiner Weise geeignet waren.«
(Stadtarchiv Bedburg 65)
1950 konnte in Bedburg bereits die Wiederinstandsetzung der Schulen, die Errichtung von zehn Kleinwohnungen, sowie die Instandsetzung von Straßen und gesprengter Brücken vermeldet werden.
Probleme beim Wiederaufbau verursachten vor allem fehlende Baumaterialien, sowie zerstörte und beschädigte Transportstrecken. In vielen Städten der Region war jegliche Infrastruktur zerstört, sodass beispielsweise das Wiedereinsetzen der Müllabfuhren im Dürener Ratsprotokoll vom 4. März 1946 Erwähnung findet. Zwischen Brauweiler und Knapsack wurde hingegen eine regelmäßige Omnibusverbindung durch einen Brauweiler Bürger privat initiiert.
Baustoffbezugschein für Kirchenbau in Kierdorf (Archiv des Rhein-Erft Kreises Bergheim 101-1208)
1947 kündigte der amerikanische Außenminister George C. Marshall das „European Recovery Programm“ an, welches als „Marshallplan“ in die Geschichte einging und den Wiederaufbau Deutschlands und Westeuropas enorm beschleunigte.

Auszug aus dem Lagebericht der Gemeinde Brauweiler vom 15. Februar 1946 (StA Pulheim I B 154, S. 7)










































