Lokalbezüge: Rhein-Erft-Kreis (Frechen/Bergheim)
Schutz der Ernte nach dem Zweiten Weltkrieg
Das Plakat vom 3. Mai 1946 rief die Bevölkerung im Landkreis Köln zur Sicherung der Ernte auf. Es zeigt den dringenden Versuch der Nachkriegs­verwaltungen, durch zivil­gesell­schaftliches Engagement die Ernährungs­lage zu stabilisieren. Es wies auf die Bedrohung durch Feld­dieb­stähle und Hamster­wesen hin, die die Versorgung mit Lebens­mitteln gefährdeten. 1946 forderte der Landrat Männer zur freiwilligen Teil­nahme am Ehren­dienst in der Polizei auf, um die Felder zu bewachen. 1947 wurde die gesamte Kreis­bevölkerung und insbesondere die Bauern zur Mithilfe beim Schutz der Ernte aufgerufen. Der Appell lautete, sich freiwillig auch für Nacht­wachen am Ernteschutz zu beteiligen, ohne dass Zwang nötig sein sollte. Auch ein Jahr später hatte sich die Lage kaum gebessert. Hunger, Diebstahl und Not bestimmten weiterhin den Alltag.
Aufruf des Landrates Johannes Even an die Kreisbevölkerung zur Feldbewachung, um den Felddiebstählen Einhalt zu gebieten, Bergheim, 23. Juni 1947 (Archiv des Rhein Erft-Kreises, Plakatnr. 8)
Lokalbezüge: Jülich
Kultur zwischen Trümmern – Der Beginn des kulturellen Lebens in Jülich
In Jülich lebten inmitten der Trümmer im Dezember 1945 schon wieder mehr als 6.000 Menschen. Die meisten von ihnen hausten in Kellern oder notdürftig hergerichteten Räumen ohne fließendes Wasser, Heizung und Strom. Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – des völligen Zusammenbruchs aller Infrastruktur wurde in Jülich schon im Dezember 1945 das erste Konzert aufgeführt.
Die Kultur bot geistige und seelische Orientierung und Ablenkung von einem chaotischen Alltag. Die Menschen sehnten sich nach Theater, Musik und Kino. Bei den Angeboten wurde auf altbewährtes aber politisch unbelastetes Repertoire zurückgegriffen. Vorab mussten die Veranstaltungen durch die Militärregierung genehmigt werden. Die Organisation war kompliziert – die Künstler konnten aufgrund der zerstörten Bahnanbindung nur mit Fahrzeugen anreisen und benötigten Bezugsscheine für Kraftstoff. Einen geeigneten Konzertsaal gab es in Jülich nicht.
Im „Gloria-Theater“ in Jülich fanden ab 1946 alle kulturellen Veranstaltungen vom Kino bis zum Theater statt (Foto: Kurt Hoppe 1947, StA Jülich Fotosammlung).
Lokalbezüge: Pulheim-Brauweiler
Zurück zur „Normalität“ – Die Zukunft der Arbeitsanstalt Brauweiler nach 1945
Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 4. März 1945 wurde die Arbeitsanstalt Brauweiler zum Lager für verschleppte Ausländer (Displaced Persons). Die Belegung war zuvor von rund 900 auf 170 Personen gesunken – bedingt durch die nahenden Kriegshandlungen.
Bereits am 12. Juli 1946 befasste sich der Kreistag in Frechen mit der künftigen Nutzung der „Anstalt“. Vorschläge wie ein Gymnasium oder eine Ausbildungsstätte für Landwirtschaft und Handwerk wurden verworfen. Aufgrund der angespannten Haushaltslage sowie institutionellem Druck galt die Wiederaufnahme des „Anstaltsbetriebs“ als beste Lösung. Dies bedeutete jedoch die Verlegung zahlreicher Flüchtlinge aus den Gebäuden. Die Rückkehr zur institutionellen „Normalität“ wog offenbar schwerer als die Versorgung von Flüchtlingen und Kriegsversehrten.
Blick in den Wirtschaftshof, im Hintergrund die Spitze der Nikolauskirche (undatiert) (ALVR Bild 13 Nr. 155)


